in der Bundeszentrale für politische Bildung
In der Zeit vom 5.-8.11.2003 unternahm die 13. Klasse der Freien Waldorfschule
Marburg eine Studienfahrt nach Berlin. Das Programm war vorwiegend politisch
und historisch bestimmt.
Am Mittwochmorgen verließen wir, 28 Schüler und Schülerinnen der Waldorfschule
in Begleitung unseres Gemeinschaftskundelehrers (Michael Vogt) mit dem Bus
Marburg und erreichten die zentral gelegene Herberge nach einer interessanten,
ca. zweistündigen Stadtrundfahrt. Diese wurde von einem ehemaligen DDR-Bürger
geführt und durch seine recht subjektiven Beschreibungen sehr lebendig und
beeindruckend gestaltet. Am Abend wurde das im Deutschunterricht behandelte
Theaterstück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Berthold Brecht
besucht.
mit Sören Bartol im Paul-Löbe Haus
Am nächsten Tag standen zwei Gespräche auf dem Programm, zum einem im
Bundesministerium für Wirtschaft und Zusammenarbeit zum Thema der im Unterricht
behandelten „Globalisierung“ und zum anderen in der inoffiziellen „europäischen
Botschaft“ über die EU, die demnächst Unterrichtsthema sein wird. Zwischendurch
war der ca. einstündige Besuch der Bundeszentrale für Politische Bildung
vorgesehen, bei dem wir uns mit Informationsmaterial zu unterschiedlichen
Themen eindeckten. Um 18:30 Uhr fand sich die Gruppe am Reichstag ein, um für
eine Stunde einer Plenarsitzung beizuwohnen. Anschließend trafen wir uns mit
„unserem“ Abgeordneten Sören Bartol (SPD, Wahlkreis Marburg-Biedenkopf). Dieser
beschrieb lebhaft seine Arbeit und stellte den Alltag des Bundestages aus einer
uns bisher unbekannten Perspektive dar. Außerdem bekamen wir die Gelegenheit
Fragen zu stellen, wie z.B. zu den von der Bundesregierung angestrebten
Reformen im Sozialwesen. Nach diesem Gespräch wurden noch Räumlichkeiten
besucht, die normalerweise nicht zugänglich sind, beispielsweise das Büro des
Abgeordneten Bartol. Bevor wir gegen 22:30 Uhr in das Nachtleben Berlins
eintauchen durften, bestiegen wir die Kuppel des Reichstages, die den
politischen Kern der abends hell erleuchteten Hauptstadt überragt.
Am Freitag wurde die Ausstellung „Wege – Irrwege – Umwege“ des deutschen
Parlamentarismus am Gendarmenmarkt besucht, wobei sich ein Teil der Klasse mit
dessen Anfängen, der andere Teil mit dem Totalitarismus (Nationalsozialismus
und DDR) auseinandersetzte. Am Nachmittag wurde unser Berlinprogramm mit dem
Besuch des Jüdischen Museums abgeschlossen. Dieses stellt mit persönlichen und
authentischen Ausstellungsstücken, beeindruckenden architektonischen Elementen
und interaktiven Informationsquellen die Geschichte des jüdischen Volkes sehr
vielseitig und eindrucksvoll dar.
Sören Bartol erklärt den Schülern den 'Hammelsprung'
Nachdem am Samstagmorgen die Sachen gepackt waren, verließen wir Berlin, und
bevor die Heimreise angetreten wurde, besuchten wir die Gedenkstätte des
Konzentrationslagers Sachsenhausen. Während einer Führung, aber auch bei der
individuellen Besichtigung, vermittelten die teilweise noch erhaltenen Gebäude
und Ausstellungsgegenstände einen tief greifenden und erschreckenden Eindruck
vom Holocaust. Von Stacheldraht, Betonmauern und Wachtürmen umgeben
unterstrichen ein Film, die Schilderungen der Führerin und Beschreibungen von
hier geschehenen Grausamkeiten die Brutalität des NS-Regimes. Nach einem
abschließenden Gespräch mit der Führerin fuhren wir in bedrückter Stimmung,
müde und erschöpft zurück und erreichten um 20:15 Uhr Marburg.
Die von Schülern angeregte Fahrt wurde von Michael Vogt und Martina Schremb
interessant und vielseitig gestaltetet und so nahmen alle trotz des voll
gepackten Veranstaltungsplanes mit außergewöhnlich großem Interesse teil, was
durch Bemerkungen der Führer bestätigt wurde. Positiv empfanden viele, dass in
den Gesprächen mit den meist sehr kompetenten Führern auf Fragen eingegangen
wurde und so die Fahrt nicht den Charakter einer Vortragsreise hatte, sondern
im Unterricht Behandeltes unterhaltsam ergänzte und aus anderen Perspektiven
beleuchtete.
Fynn-Mathis Trautwein und Tobias Herden (Schüler der 13. Klasse der
FWS-Marburg)