Delegationsreise nach China
Ende Oktober hatte ich die Möglichkeit an einer zehntägigen Delegationsreise teilzunehmen, die von der chinesischen und der deutschen Regierung ausgerichtet wurde. Die insgesamt 100 Teilnehmer kamen alle aus dem Bildungssektor und setzten sich zusammen aus Schülern, Lehrern, Rektoren und einigen Wissenschaftlern. Ziel dieser Reise war es, das chinesische Schulsystem kennen zu lernen, ebenso wie Land und Leute und dadurch die deutsch-chinesischen Beziehungen zu stärken.
Alle Teilnehmer trafen sich am Frankfurter Flughafen, von wo aus wir nach Shanghai flogen. Dort verbrachten wir die ersten drei Tage unserer Reise. Nachdem wir am ersten Tag touristische Attraktionen wie den Fernsehturm und die Nanjing Road erkundet hatten, stand am zweiten Tag der Besuch einer Schule auf dem Programm. Da alles von der Regierung organisiert wurde, bekamen wir natürlich nur sehr ausgewählte Dinge zu sehen. Die Schule war eine der besten Shanghais, was sich schon am Gebäude erkennen ließ. Mit den Schülern verständigten wir uns auf englisch, aber bei offiziellen Begrüßungen wurde alles immer erst auf chinesisch gesagt und dann von den Übersetzern, die uns ständig begleiteten, ins deutsche übersetzt. Bevor wir am nächsten Tag zum Flughafen fuhren, besuchten wir die Sporthochschule in Shanghai. Die Studenten zeigten uns sowohl verschiedene Tanzarten, als auch Kampfkünste, was sehr beeindruckend war. Der Flug nach Xining, der Hauptstadt der Provinz Qinghai in Zentralchina, dauerte vier Stunden. Wir wurden empfangen wie hohe Staatsgäste und hatten während unseres gesamten Aufenthaltes dort eine Polizeieskorte, die sogar die Straßen gesperrt hat, damit wir sicher und ohne Verzögerung überall hinkommen konnten. Die Menschen in Xining waren wesentlich ärmer als die in Shanghai und man konnte sehen, dass viele von ihnen körperlich harte Arbeit verrichten. Die Gegend befindet sich auf einem Hochplateau, was wir zu spüren bekamen, als wir den nahe gelegenen Sonne-und-Mond-Berg besuchten, da das Laufen in dieser Höhe deutlich anstrengender war. Außerdem war die Luft dort viel klarer, was sehr angenehm war, nach der Stadtluft in Shanghai. Dort konnte man eine schöne Aussicht genießen über das weite, hügelige, aber auch karge Land. Danach hatten wir die Möglichkeit Yaks zu streicheln, die dort heimisch sind. Anschließend fuhren wir zum Qinghai See, dem größten Binnensee Chinas. Die Region in und um Xining ist noch nicht so weit entwickelt und viele Menschen dort leben in sehr bescheidenen, ärmlichen Verhältnissen.
Am nächsten Tag besuchten wir erst das Dorf einer ethnischen Minderheitengruppe und wurden anschließend in Kleingruppen auf verschiedene Gastfamilien „verteilt“. Bei der Familie zu Hause versuchten wir uns so gut wie möglich mit Händen und Füßen zu verständigen, da nur die Nichte einige wenige englische Wörter kannte. Doch insgesamt klappte die Verständigung erstaunlich gut. Da das Essen für die Chinesen einen sehr hohen Stellenwert hat, gab es ein riesiges Abendessen, bei dem auf landestypische Dinge wie Hühnerfüße und Yakfleisch natürlich nicht verzichtet wurde.
Am nächsten Tag ging es auch schon wieder weiter und wir flogen nach Peking. Dort besuchten wir nochmals eine Schule und konnten den Verlag besichtigen, der für die Herstellung sämtlicher Schulmaterialien zuständig ist. Abends fand, wie auch schon jeweils in Shanghai und Xining, ein Bankett statt, bei dem unter anderem der Vertreter des deutschen Botschafters in Peking eine Rede hielt.
Am letzten Tag hatten wir die Möglichkeit uns die Große Mauer (die offenbar nur außerhalb Chinas Chinesische Mauer heißt) anzuschauen und auf ihr entlang zu laufen.
Abschließend fuhren wir zu einem Empfang in der deutschen Botschaft in Peking, wo wir vom deutschen Botschafter persönlich begrüßt wurden. Auf dem Weg dorthin sahen wir die ganzen Sportstätten, an denen im nächsten Sommer die Olympischen Spiele ausgetragen werden. Danach machten wir uns auf den Rückweg, fuhren zum Flughafen und flogen über Shanghai zurück nach Frankfurt.
Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe an dieser Reise teilzunehmen. Es war sehr interessant und hat viel Spaß gemacht - nach dem von der Schule organisierten Austausch im Frühling - ein zweites Mal in diese völlig andere Kultur einzutauchen.
Jannika Reitz
In der Mitte unsere Delegationsleiterin Fr. Schreven und der Deutsche Botschafter in Peking.