Liebe 4. Klasse,

da ihr in diesem Schuljahr eure erste Tierkunde haben werdet, möchte ich euch etwas von meinen Lieblingsvögeln erzählen, und ich bin gespannt, ob ihr erraten könnt, welche Vögel das sind.

Sitzt man z.B. im Frühsommer draußen und will die Ruhe des Abends genießen, kann es passieren, dass die Stille urplötzlich durch Schreie in der Luft zerrissen wird. Vögel jagen mit rasender Geschwindigkeit dahin, direkt auf die Häuser zu, ziehen kurz davor in letzter Sekunde eine scharfe Kurve, jagen schreiend weiter, hoch in die Luft und im Sturzflug wieder hinab. Diese Vögel, die hier die abendliche Stille zerreißen und die Luft zerschneiden, sind für mich die vollkommensten Vögel, die ich kenne, da sie ganz an das Leben in der Luft angepasst sind: Sie nehmen im Flug ihre Nahrung zu sich; trinken im Flug; sammeln fliegend das Material für ihre Nester; können die Nächte fliegend verbringen und sie können sich sogar in der Luft paaren... Was sie erstaunlicherweise noch nicht gelernt haben: ihre Eier in die Luft zu legen und sie fliegend zu bebrüten. Sie verbringen also fast ihr ganzes Leben fliegend im Luftmeer. Sind sie dann aus dem tropischen Süden hier bei uns angekommen und bauen oder reparieren ihr Nest, kommt ihnen ihre Spucke zu Hilfe, denn sie ist wie Alleskleber und härtet an der Luft. So können sie ihre eher flachen Nester an sehr steile Fels- oder Hauswände kleben und sich auch mit ihren kräftigen Krallen an die Wände hängen. Sind dann, nach einiger Zeit, aus den 2 bis 3 Eiern die Jungen geschlüpft, sind sie natürlich hungrig. Um ihre Eltern auf ihren großen Hunger aufmerksam zu machen, kraulen sie diese an der Kehle und so können die Altvögel ihr gesammeltes Futter herauswürgen und ihre Kinder damit füttern. Sind diese dann groß und stark geworden, fliegen sie, ohne vorher lange zu üben und ohne die Hilfe ihrer Eltern, davon, um nie mehr in dieses Nest zurückzukehren. Was bei diesen Vögeln noch erstaunlich ist: sie leben stark nach der Zeit. Ihr Ankunftstag im Frühsommer ist immer derselbe (manche Ortschaften haben aus diesem Tag einen Feiertag gemacht); ihre Eier legen sie morgens zwischen 8.00 und 11.00 Uhr, und sie bleiben genau 3 Monate bei uns und sind dann, so plötzlich wie sie gekommen sind, wieder weg...

Angela Westrøm