Liebe 5. Klasse,

vor unvorstellbar langer Zeit – noch lange vor Christi Geburt – feierten die Griechen zu Ehren ihrer Götter heilige Feste, an denen auch Wettspiele stattfanden. Wenn man den Göttern die Früchte des Feldes darbrachte und die besten Herdentiere opferte, warum sollte man sie nicht auch mit der Kraft, Ausdauer und körperlichen Gewandtheit der jungen Männer erfreuen?

Das Zeusfest am Fuße des Berges Olymp war wohl das größte und bedeutendste aller Feste dieser Art. Es fand alle vier Jahre im Tempelbezirk Olympia statt. Zeus, die höchste Gottheit der Griechen, galt als Stifter der Spiele. Lange vor Spielbeginn wurden die Kampfrichter vom Staat benannt. Sie genossen wegen ihrer strengen Gerechtigkeit hohes Ansehen bei den Bürgern. Ja, manchmal wurden sie sogar wegen ganz anderer Streitigkeiten um Rat gefragt. Über viele Monate wurden sie in einem gesonderten Gebäude über die Pflichten ihres Amtes belehrt. Jeder, der an den Wettkämpfen teilnehmen wollte, musste sich bei ihnen vorstellen und nachweisen, dass er kein Sklave war, sich nichts zu Schulden kommen ließ oder Zeus nie die Ehrfurcht versagte. War diese erste Hürde genommen, konnten die Athleten an den gesetzlich vorgeschriebenen Vorübungen teilnehmen. Denn die Richter hatten dafür zu sorgen, dass dem Volk später keine stümperhaften Wettkämpfe gezeigt würden. Wer diese Zeit von 10 Monaten gut überstanden hatte, der musste schließlich noch mal einen ganzen Monat seine Kampfart Tag für Tag den Richtern vorführen. Dabei wurden die Teilnehmer nach Alter und Kampfart in Gruppen zusammengefasst. Wer die lang ersehnte Zulassung endlich erhalten hatte, durfte in Anwesenheit seiner Verwandten bei einer heiligen Zeremonie schwören, dass er sich gewissenhaft an die Regeln und Gesetze der Wettkämpfe halten wird.

Jetzt rückte die Festzeit immer näher heran. Von überall strömte das Griechenvolk herbei. Die Landstraßen waren mit Festkarawanen angefüllt. Übers Meer kamen Schiffe aus Italien, Sizilien und den entlegensten Küsten Asiens heran. Bald erhob sich um den heiligen Olympiabezirk eine Stadt aus Zelten, angefüllt mit buntem und lauten Leben. Drei verschiedene Kampfarten wurden gezeigt: Fünfkampf, Wagenrennen und das Vortagen von Musikstücken oder Gedichten.

Wir groß musste das Interesse eines Volkes sein, wenn es von den frühen Morgenstunden an dicht gedrängt unter der heißen Julisonne ausharrte und dabei nur stauberfüllte Luft atmete! Am Ende der Wettkämpfe fanden die Siegerehrungen statt. Auf den Altaren wurden heilige Opferfeuer entzündet und über den ganzen Bezirk erschallten Chorgesänge. Mit großen Ehren wurde ein Sieger in seiner Heimatstadt empfangen. Er brachte auch ihr großen Ruhm ein. Mit einem Purpurgewand umkleidet, fuhr der Sieger - auf einem Wagen von weißen Rossen gezogen – in seine Stadt ein. Eine jubelnde Menge säumte die Straßen. Manchmal wurde sogar ein Stück Stadtmauer eingerissen, damit der Wagen bequem einfahren konnte. Die Menschen waren der Überzeugung, dass eine Stadt keine schützenden Mauern braucht, wenn sie so siegreiche Helden besitzt.

Noch heute feiern die Menschen auf der ganzen Welt alle vier Jahre die Olympischen Spiele. Im 5.Schuljahr werdet ihr entdecken, dass es viele Dinge gibt, die – von den alten Griechen zu Wege gebracht – noch heute unser Leben bestimmen. Bei diesen Entdeckungen wünsche ich euch viel Freude!

Christiane Kabierschke