Liebe 13. Klasse,

in Ihrem letzten Schuljahr geht es vor allem darum, dass Sie möglichst viele richtige Antworten geben, so dass Sie alle den Schulabschluss erreichen, den Sie anstreben. Nun sind Antworten aber eigentlich viel langweiliger als Fragen. Warum? Weil Antworten immer etwas Fertiges, Abgeschlossenes haben, während Fragen viel dynamischer sind und uns in Bewegung halten, nach Antworten zu suchen. Gute Fragen können uns unser ganzes Leben begleiten und uns geistig wach sein lassen. Ich will Ihnen das an einem Beispiel verdeutlichen: Noch vor nicht allzu langer Zeit lebten die Dorfpfarrer nicht von der allgemeinen Kirchensteuer, sondern von dem, was sie von ihrer jeweiligen Gemeinde zum Lebensunterhalt bekamen. Das war nicht immer sehr üppig, und sie mussten sehen, wie sie über die Runden kamen. So unterhielten sich einmal drei Pfarrer, wie sie mit der sonntäglichen Kollekte umgehen. Sagte der Erste: Also ich mache das so: Ich breite ein großes Tuch aus, stelle meinen Hut umgedreht darauf, werfe alles gesammelte Geld in die Luft, und was in meinen Hut fällt, behalte ich für mich, während ich das Geld auf dem Tuch für Gottes Zwecke verwende." Sagte der Zweite: "Ach! Das mache ich ganz ähnlich, nur ich behalte das Geld auf dem Tuch für mich, während ich das Geld im Hut für Gottes Zwecke nehme." "Na", meinte der Dritte, "ich mache es noch einfacher. Ich nehme nur ein Tuch, lasse den Hut weg, werfe das Geld in die Luft und rufe: »Herr, nimm Dir, was Deins ist!« Was runterfällt, behalte ich dann für mich!"

Sie sehen, so kann jeder auf seine Weise zu einer richtigen Antwort kommen. Das Spannende daran ist aber eigentlich die Fragestellung, die hier zu Grunde liegt. Diese Fragestellung kann Sie unmittelbar in aktuellste Gegenwartsfragen hineinführen. Das will ich Ihnen jetzt gar nicht näher verraten, sondern Ihnen vielmehr wünschen, dass Sie am Ende dieses Schuljahres die Schule nicht nur mit einem guten Abschluss, sondern vor allem auch mit guten eigenen Fragen verlassen!

Dirk Rohde