Zur Verabschiedung des Vorstandes am 18. Juni 2001

Fünfe auf einen Streich galt es zu verabschieden. Und zwar die vier gewählten Vorstandsmitglieder Clemens Wirth (Vorsitzender), Susanne Hofacker (stellvertr. Vorsitzende), Wolfgang Pasdzierny und Prof. Dr. Ulrich Knoop sowie die vom Kollegium in den Vorstand entsandte Dr. Friederun Christa Karsch.

Lassen wir doch den Abend des 18. Juni noch einmal - gleichsam im Zeitraffer - an uns vorüberziehen:

Noch vor Beginn der Feierstunde wurde allen Genannten eben jene Eigenschaft abverlangt, die sie während ihrer langjährigen Vorstandstätigkeit erübt hatten: Geduld und Selbstbeherrschung. Es galt nämlich, das im Foyer der kleinen Aula einladend hergerichtete kalte Buffet links liegen zu lassen und dem aufkeimenden Verlangen nach Gaumenfreuden zunächst zu entsagen. In der Aula selbst war dann wieder Lockerheit angesagt: Ohrenschmaus statt Gaumenschmaus! Vier Schülerinnen und Schüler der Oberstufe setzten mit der fröhlich dargebotenen „Kleinen Lachmusik“ von Wolfgang Schröder einen gelungenen Akzent zu Beginn des Abends.

Im Rahmen der anschließenden Redebeiträge ließ sich deutlich die jeweilige persönliche Prägung der fünf scheidenden Amtsinhaber herauskristallisieren.

So wies Sabine von Stackelberg in ihren Dankesworten an Ulrich Knoop auf dessen „konventionell unkonventionelle“ Art hin, die es ihm ermögliche, aus den Gegensätzen Tradition und Innovation eine spannende Synthese zu entwickeln. Von seiner „klugen Nachdenklichkeit“ war die Rede und von der Hoffnung, er möge seinen „reichen Hintergrund“ auch künftig in das Schulleben einbringen.

Anschließend hörten wir von dem Mentor der „Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern im Schulorganismus“. Gemeint war Wolfgang Pasdzierny, dessen Engagement in diesem Bereich weit über den Horizont der eigenen Schule hinausgegangen sei: Mitbegründer des Landeselternrates Hessen, Vertreter im Sprecherkreis der LAG Hessen sowie im Bundeselternrat, aber auch "Feuerwehrmann" bei der Übernahme eines Mathematik-Grundkurses in der Abiturklasse. Horst Hagemann war es, der die zeitaufwendigen Nebentätigkeiten W. Pasdziernys noch einmal auflistete - mit dem Hinweis auf dessen Begeisterung für die Sache der Waldorfpädagogik, die auf andere vielfach ansteckend gewirkt habe.

Erneuter Szenenwechsel hin zur „Geisteskämpferin für ein freies Schulwesen“. Wen hätte Rudolf Heymann hiermit wohl meinen können, wenn nicht Friederun Christa Karsch (F. C. K.)?

„Wacher Geist“ und „reiches Wissen“ wurden ihr attestiert. Treu, kämpferisch und selbstlos habe sie ein Vierteljahrhundert Vorstandsarbeit mitgestaltet; habe Wesentliches beigetragen, nicht zuletzt durch ihre scharf geschliffenen Kommentare und einen, für das Geistige offenen, gesunden Menschenverstand.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war wohl allen Zuhörern klar, dass es an diesem Abend nicht um Verabschiedungen im herkömmlichen Sinne ging. Hier wurde vielmehr das Ende einer Ära zelebriert; hier wurde Abschied genommen im Sinne eines Saint-Exupéry: „Partir, c´est mourir un peu.“

Doch weiter ging´s, in rasantem Tempo. Tendenz der Redebeiträge: Zunehmende Länge. Manfred Wittig hatte begonnen, Susanne Hofacker ins Visier zu nehmen. Genauer gesagt: Zu würdigen für ihren 23 Jahre währenden Einsatz in nahezu allen Bereichen unserer Schule. Neben Basarkreis, Redaktionskreis des Mittelungsheftes, Gehaltskreis usw. griff M. Wittig exemplarisch drei Arbeitsfelder heraus, in denen die Initiativkraft Susanne Hofackers von besonderer Bedeutung gewesen sei: Elternbeirat, Kindergarten und AKÖ. So beschrieb er die Jahre ihres Elternbeirats-Vorsitzes (1984-1990) als eine Zeit der „neuen Gesprächskultur“, die durch Offenheit und Vertrauen geprägt gewesen sei. - Den Kindergarten habe sie in den Folgejahren ins öffentliche Bewusstsein (des Stadtjugendamtes) gerückt und durch dessen Finanzhilfe existentiell gesichert. - Und während der Vorbereitung zum 50-jährigen Schuljubiläum habe sie die Notwendigkeit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit erkannt und ebenso pragmatisch wie zielorientiert die Gründung des AKÖ forciert.

Und noch während ich selbst gedanklich verharrte bei einem weiteren Merkmal Susanne Hofackers wie „Mut zur klaren Position bei gleichzeitiger Kompromissfähigkeit“, hatte sich Hartmut Daniel bereits erhoben, um das Hohelied anzustimmen auf Clemens Wirth, der an diesem Abend als einziger ein nicht (nur) lesbares Präsent entgegennahm, sondern eine Auswahl der geistlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach. Mit Hilfe der Kantaten-Titel führte uns H. Daniel hin zu den Meilensteinen der Wirth´schen Amtszeit, die sich niemals durch stromlinienförmige Anpassung ausgezeichnet habe, sondern durch Attribute wie Klarheit, Wirklichkeitssinn und Willenskraft - bis hin zu dem Mut, auch Unpopuläres in Gang zu bringen. Die Einrichtung einer vierten Kindergartengruppe war das Ergebnis. Die Mitbegründung des Elternchores fand Erwähnung und in diesem Zusammenhang natürlich auch Clemens Wirths Eignung als schmissiger Chansonnier. Wenngleich der Spaß am Jubilieren im Alltag oft überlagert wurde: Bei der Karrenlast der langjährigen Arbeit in Elternbeirat, Bauausschuß, Beitragskommission und Vorstand habe wohl manches Mal auch die Bach-Kantate „Wir müssen durch viel Trübsal“ Pate gestanden... Insgesamt „musste man den Eindruck haben, dass Sie, Herr Wirth, ohne jemals zu klagen, nicht nur an die Grenze Ihrer Kräfte gegangen sind, sondern bis hart an die Grenze dessen, was Sie Ihrem eigenen Betrieb zumuten durften.“

Nach diesen fünf Festreden steigerte sich die Hoffnung der Hungrigen - vergeblich. In gewohnt-gekonnter Manier trug Michael Fischer ein selbstverständlich selbst verfasstes Gedicht vor, das trotz aller augenzwinkernden Ironie sehr wohl ernst genommen werden wollte:

.....Die hohe Schule der Diplomatie

Beherrschte der Vorstand wie noch nie.

Zwar wurden verbal die Messer gewetzt,

Doch niemals des Andern Persönlichkeit verletzt...

Und natürlich hatte auch das Trio Wirth-Hofacker-Pasdzierny einen Sketch im Gepäck, der sein Ziel, der allgemeinen Erheiterung zu dienen, nicht verfehlte. Überhaupt waren sie alle blendender Laune, die Ausscheidenden. Ob sie wohl ähnlich empfanden wie ein deutscher Dichterfürst, der 1787 aus Italien schrieb: „...So werde ich mich sehr erleichtert finden, denn einmal müssen diese Arbeiten doch hinter mich...“

Und doch strahlte das zum Schluß dargebotene Duett des langjährigen Duos Wirth/Hofacker für mich auch einen Anflug von Wehmut aus. „ I did it my way ”sangen sie, und ich hätte spontan gern geantwortet: and you did your very best !

Hedda Hoppe