als Elisabeth, die Landgräfin von Thüringen, nach Marburg kam, wollte sie nicht im herrschaftlichen Schloss wohnen. Sie begab sich vielmehr an das Ufer der Lahn und pflegte dort die Kranken und stand den Armen bei. Bald schon wurde ein Hospital gebaut und eine Kirche auf dem gegenüberliegenden Berg, dem heutigen Kirchspitz, war geplant.
Schwer schleppten die Menschen Steine und Balken den Berg hinauf. Doch was die Bauleute auch mauerten und zimmerten, es fiel über Nacht immer wieder zusammen. Als das Gemauerte wieder einmal am nächsten Morgen zerstört und verstreut am Abhang lag, stieß Elisabeth einen großen Stein an. Dieser rollte ins Tal hinab und da wo er liegen blieb sollte die Kirche gebaut werden. Elisabeth half weiterhin tagaus, tagein den Armen und Kranken, ohne auf ihre eigenen Kräfte zu achten. Mit 24 Jahren erkrankte sie schwer und starb. Die Nachricht von ihrem Tod verbreitete sich rasch. Von weit her kamen die Menschen, Gesunde und Kranke und beteten an Ihrer Grabstätte und hofften wohl auch auf so manches Wunder. Sie pilgerten über den hölzernen Steg bei Weidenhausen über die Lahn und nahmen den steinigen Weg im Schutze des Schlossbergs, dem heutigen Pilgrimstein.
Als Elisabeth heilig gesprochen wurde, gab es ein großes Fest. Wie wurde da Marburg herausgeputzt: Die Wege wurden neu mit Kies aufgefüllt, Mist und Unrat wurden weggefegt und bei Strafe war es eine Woche lang verboten, den Nachttopf aus dem Fenster zu leeren. Den Schaf- und Kuhherden folgte ein eifriger Bub mit einer Schaufel und einem Kübel.
Und dann war es soweit: Es kamen die drei Kinder von Elisabeth, Bischöfe, Landgrafen und Fürsten und endlich erschien der Kaiser Friedrich II. mit prächtigem Gefolge von den Lahnbergen herab. Er ritt auf einem feurigen Rappen und war in purpurrote Seide gehüllt, darüber trug er einen Mantel, der über und über mit schwarzen und weißen Perlen bestickt war.
Über allen Häuptern, die da herankamen schwebte ein langer Hals mit einem Kopf und manche schwuren sogar, sie hätten gesehen, wie der Kopf sich von oben über die Bäume neigte und Laub fraß. Aber noch weitere seltsame Tierarten befanden sich in dem langen, langen Zug.
Am Tag der feierlichen Erhebung der Gebeine hatte der Kaiser Samt und Seide abgelegt. Mit bloßen Füßen und in dem schmucklosen Hemd eines Büßers aus ungefärbter Schafwolle kam er zur Kirche, öffnete den Sarg und setzte Elisabeth eine goldene Krone auf das Haupt und legte einen goldenen Becher dazu. Dann wurden die Gebeine feierlich in den goldenen Sarkophag umgebettet.
Liebe 4. Klasse, unser erster Gang in der Heimatkundeepoche wird uns zur großen Elisabethkirche führen.
Beate Glasow-Reckling