wenn sich die Arbeit so auftürmt, dass ein Ende nicht mehr absehbar ist, und diese Arbeit darüber hinaus nur allzu oft als sinnlos erscheinen mag, dann spricht man von einer Sisyphosarbeit.
Diese Benennung erfolgte nach einer Figur aus der antiken Mythologie. Da gab es einen Sisyphos, immerhin ein Königssohn, der war ziemlich schlau und hatte außerdem seinen eigenen Kopf, vor allem gegenüber den Göttern! Als er aber auch den Tod überlistete und wieder auf die Erde zurückkehrte um fröhlich weiter zu leben, platzte denen der Kragen und sie verordneten ihm die schlimmste aller möglichen Strafen. Diese Strafe ist bekannt; sie ist zum Inbegriff geworden: Sisyphos musste hinfort in der Unterwelt einen schweren Felsblock unter unsäglichen Mühen einen Berg hinaufrollen, und kaum hatte er das Ziel erreicht, kollerte der Stein wieder talwärts - und die Arbeit begann von neuem - bis in alle Ewigkeit - eine völlig sinnlose Anstrengung also - und gerade deshalb wurde und wird diese Bestrafung als besonders schwer angesehen!
Wie wir in der letzten Abi-Zeitung lesen konnten, hat der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus diese Figur aufgegriffen und seine philosophische Haltung an ihrem Beispiel entwickelt.
Da er als Existenzialist zu der Überzeugung gekommen war, dass es keinen tieferen Sinn hinter der Welt und dem menschlichen Dasein gibt, konnte es für ihn nur darum gehen die Existenz des Seins in seiner ganzen Sinnlosigkeit zu akzeptieren.
Und erst wenn Sisyphos diese äußerste Leistung, zu der ein Mensch fähig ist, wirklich erbringt, nämlich seine Existenz zu bejahen mit aller Mühsal und Qual ohne eine Belohnung zu erwarten, ohne an einen Gott oder Übervater zu denken, der ihn bei der Arbeit sieht und im Geiste lobt, auch ohne ständig daran zu denken, dass das, was er tut, eigentlich sinnlos ist und eine Strafe sein soll, dann steht er über den Göttern und ihren Absichten, dann existiert er ganz bei sich im Hier und Jetzt und ist, so Camus, ein glücklicher Mensch in der Fülle des Daseins der die Götter verachtet und darum über ihnen und über seinem Schicksal steht.
Wenn Ihnen das, liebe 13. Klasse, mit mancher unliebsamen und vielleicht nicht so ganz einsehbaren Arbeit auf dem Weg zum Abitur auch gelingt, dass Sie diese einfach tun, weil sie auf dem Weg liegt, und dabei nicht lange mit Ihrem Schicksal hadern, dann verachten Sie die Götter, die Ihnen diese Arbeit auferlegt haben, in der rechten Weise und Sie können nach dem Verständnis von Camus sicher glückliche Menschen sein in der Fülle des Daseins.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes 13. Schuljahr!
Hartmut Daniel