Im ersten Lebensjahrsiebt, bevor das Kind schulreif ist, baut es vor allem seinen Leib auf und lebt ohne Zeitgefühl ganz dem Augenblick hingegeben. Durch seine Sinne verbindet es sich innig mit der Welt. Es möchte diejenigen, die schon in ihr leben, mitempfindend nachahmen und entwickelt ein Urvertrauen: Die Welt ist gut – ich lebe gern in ihr.
Im zweiten Lebensjahrsiebt entfalten sich Erinnerung und Gedächtniskraft, Phantasie und Denkvermögen – auf einem festen Grund. Waldorflehrerinnen und –lehrer bauen ein von liebevoller Autorität geprägtes Verhältnis zu ihrer Klasse auf. Das Schulkind spürt: Durch diese Menschen lerne ich zu arbeiten. Das Grundgefühl sagt: Die Welt ist schön.
Im dritten Jahrsiebt nimmt der junge Mensch Distanz zu seinem Selbst und zur Außenwelt. Er beginnt, „seine“ Welten – die äußere wie die innere – als eigenständige Räume zu erleben, die er wie ein Gegenüber kennenlernen, aber auch schützen und bewahren will. In dieser Zeit werden entscheidende Grundlagen gelegt für eigenes Urteil, für die Fähigkeit zur Kritik und für die Ausprägung eines jeweils eigenen Standpunktes, der durch das Denken gesichert ist. Dabei kann in Gesprächen und im Umgang mit anderen Menschen alles dies erweitert und korrigiert werden. Im dritten Jahrsiebt möchte die Waldorfschule Interesse am Leben wecken und die Fähigkeit ausbilden, sich Stoffe selbst zu erarbeiten.
Die Jugendlichen erfahren: Die Welt ist wahr. Sie ist nicht willkürlich, sondern nach verlässlichen Gesetzen aufgebaut. Der junge Mensch ist ihr nicht ausgeliefert, sondern soll und kann aus eigener Erkenntnis zum freien Mitgestalter werden.