In einer Waldorfschule klingt von morgens bis abends Musik. Neben dem Musikunterricht in allen Klassen begleiten Gesang und Instrumente einen großen Teil des Hauptunterrichts in der Unter- und Mittelstufe. Nachmittags erteilen in den Räumen der Waldorfschulen private Musiklehrer Einzelunterricht.
Von der ersten Klasse an erlernen die Kinder in der Klassengemeinschaft ein Instrument – meist Flöte oder Leier. Viele Schüler ergreifen darüber hinaus frühzeitig ein Orchesterinstrument.
So gelingt es häufig, schon in der Unter- oder Mittelstufe ein Klassenorchester aufzubauen.
Eine Waldorflehrerin, die erste Orchestererfahrungen mit ihrer vierten Klasse machte, beschreibt den sozialen Prozess, den die Kinder über das rein Musikalische hinaus erleben: „Anfangs ist es, wie wenn in einem Sack voller Flöhe alle durcheinander springen. Jetzt lernen sie gemeinsam Sackhüpfen“. Die Kinder üben zu lauschen, aufeinander zu hören. Dabei entwickeln sie Toleranz, seelische Beweglichkeit und Ausdauer.
Die musikalische Beschallung, die heute in vielen Lebensbereichen zum Alltag gehört, wirkt sich lähmend aus auf das Bedürfnis der Kinder, selbst zu singen. Um so mehr Aufmerksamkeit widmen Waldorflehrer dem Singen und der Stimmschulung ihrer Schüler. Sie sind bemüht, die Musikalität der Kinder in einer Weise zu wecken und zu fördern, die die jungen Heranwachsenden befähigt, den unterschiedlichen Musikströmungen unserer Zeit mit Verständnis und Unterscheidungsvermögen zu begegnen.