Terminhinweise

  • 26. März 2019Ausstellung in der Waldorf-Galerie
  • 13. April 2019Osterferien
  • 29. April 2019 16:00Offene Sprechstunde des Kindergartens und der Kinderstube
  • 3. Mai 2019 17:00Finissage in der Waldorf-Galerie
  • 4. Mai 2019 11:00Flohmarkt
  • 4. Mai 2019 11:00Reparaturwerkstatt in der Schule
  • 6. Mai 2019 16:30Offene Sprechstunde der Schule
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Festakt zum 70-jährigen Jubiläum

„Eine Schule, für die es keinen Ersatz gibt“

Festakt zum 70-jährigen Jubiläum der Freien Waldorfschule Marburg

Die Freie Waldorfschule in Marburg begann im Oktober vor 70 Jahren, ihre Arbeit aufzunehmen und Schüler nach dem Menschenbild von Rudolf Steiner zu unterrichten. Der Anfang war für die engagierten Marburger Bürger und die Lehrer nicht leicht: Sie hatten mit vielen, vor allem finanziellen, Problemen zu kämpfen. Heute ist die Freie Waldorfschule Marburg ein attraktiver Lernort mit 460 Schülern, der fest in die Marburger Schullandschaft integriert ist – und auf den die Nachbarschulen schonmal mit Neid herüberschauen. Das zumindest sagte Tobias Meinel, Schulleiter der benachbarten Elisabtehschule, beim Festakt zum 70. Geburtstag der Waldorfschule. „Gäbe es die Waldorfschule in Marburg nicht – man müsste sie glatt heute gründen“, sagte er. Meinel beschrieb die Konkurrenz zwischen den Marburger Schulen als inspirierend: Schulen seien gezwungen, gut zu sein und eine überzeugende pädagogische Arbeit zu liefern. So lernen die Schulen auch voneinander, probieren aus, was bei den Nachbarn Erfolg hatte. „Und manchmal schaue ich dann mit Neid über den Zaun.“ Meinel lobte den Festsaal, den projektorientierten Unterricht, die verpflichtende Jahresarbeit für die Schüler – und nicht zuletzt den Epochenunterricht. „Ich habe es versucht. Die Umsetzung an einer staatlichen Schule ist schwierig und meine Lehrer haben es nicht mitgetragen. Wir sind noch nicht so weit.“

Lob gab es für die Waldorfschule auch von Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel: „Die Schule ist davon geprägt, eine Schule für Leib, Seele und Geist zu sein. Das durchgängige Bildungs- und Erziehungskonzept stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Dieser Ansatz gefällt mir sehr.“ Die Stadt bezuschusse die Waldorfschule gerne. „Und was hier gebaut wird, gefällt mir zum Teil besser, als Bauten an staatlichen Schulen. Die Schule ist ausgelegt auf das Wohlergehen der Schüler.“ Mit 300 Schülern allein aus Marburg sei das Gebutstagskind ein wesentlicher Baustein der Bildungslandschaft in der Stadt.

Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, bezeichnete die Schule auch als festen Bestandteil des Wirtschaftsstandorts: Die Waldorfschule ist einer der größten privaten Arbeitgeber in der Stadt – und vergebe viele Aufträge an Handwerker und Baufirmen in der Region.

Bernhard Drude, der stellvertretende Amtsleiter des staatlichen Schulamts, gratulierte ebenfalls. Er erklärte beim Festakt, dass die freie Schule eine genehmigte Ersatzschule sei.  Henning Kullak-Ublick vom Bund der Freien Waldorfschulen griff das auf: „Die Marburger Waldorfschule hat den Begriff der Ersatzschule umdefiniert: Sie ist das, wofür es keinen Ersatz gibt.“ Kullak-Ublick ging auf die rasante Entwicklung der Waldorfschulen weltweit ein: In 98 Ländern gebe es mittlerweile mehr als 1000 Schulen nach dem Konzept Rudolf Steiners. In Deutschland sind es 85.000 Schüler und 8000 Lehrer. In China sei vor 11 Jahren ein Ehepaar aus Australien auf Reisen gewesen, hätte den Betreibern eines Teehauses von der Idee der Waldorfschule erzählt. Die haben daraufhin ihr Teehaus verkauft und in den USA eine Ausbildung zum Lehrer für Waldorfschulen gemacht. Heute gebe es drei Lehrerseminare für Waldorfpädagogik in China. „Es ist ein Paradigmenwechsel: Die Menschen arbeiten heute an der Frage, wie es gelingen kann, zu einem individuellen Menschenverständnis zu kommen, das nicht auf Kosten der Gesellschaft geht, sondern diese hervorbringt.“

Professor Dr. Wilfried Sommer vom Lehrerseminar für Waldorfpädagogik in Kassel lobte, dass Schulpraktika an der Waldorfschule an der Marburger Uni ebenso Bestandteil seien, wie ein Seminar zur Pädagogik Steiners.

Die Oberstufenschülerinnen Lotte Eckstein und Emma Gerber berichteten den Gästen von den Vorteilen der Waldorfschule. Sie ließen aber auch die Nachteile nicht unerwähnt. „Wir sind von der 1. bis zur 13. Klasse ununterbrochen zusammen. Man wächst zusammen, zieht schwächere Schüler mit, statt früh zu sortieren“, sagten die beiden. „Aber wenn man einmal einen schlechten Platz innerhalb der Klasse hat, kommt man da nur schwer wieder heraus.“ Zudem hätten die Schüler Zeit für die individuelle Entwicklung – durch die Größe der Schule könnten sie im Abitur aber nur zwischen vier Leistungskursen wählen. Großes Lob fand die Schulküche.

Berthold Janssen sprach für die Eltern und wagte einen humorvollen Blick in die Zukunft der Schule: 2032 sei die Schule zweizügig und überfüllt. An den staatlichen Schulen gibt es nicht mehr das Abitur, sondern das Babytur – schließlich müssten die Schüler dem Arbeitsmarkt immer früher zur Verfügung stehen. 2085 sei Eurythmie dann Olympische Sportart. „Was kommt, weiß keiner: Aber die Herausforderungen werden kommen – von innen und von außen.“Ehemalige-4276s

Für die musikalische Unterhaltung der rund 300 Gäste sorgte das große Orchester der Schule unter anderem mit Haydns Paukenschlag-Satz und der Eiskönigin — und wurde prompt für einen weiteren Festakt außerhalb gebucht. Die 7. und die 11. Klasse zeigten den Gästen, darunter viele Vertreter aus Gesellschaft und Politik, wie sie mithilfe von Eurythmie Gedichte und Lieder mit Bewegung interpretieren – und wie sie geometrischen Figuren Raum geben.

Abschließend wies Dirk Rohde am Beispiel der Umstülpung beim sogenannten Oloid auf, wie das angestrebte Ziel des Unterrichts an Waldorfschulen einen bis ins Denken freien Menschen zu bilden, einen praktischen Niederschlag in Technik und Entwicklung finden kann.

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Großes Ehemaligenfest an der Waldorfschule
Ehemalige schwelgen in Erinnerungen

Bei Theater, Eurythmie, Schulaufführungen und genügend Raum für Geselliges haben sich hunderte Ehemalige der Freien Waldorfschule Marburg am Wochenende in ihre Schulzeit zurückversetzt gefühlt. Ganz „frische“ Ehemalige und zahlreiche Menschen, die bereits vor vielen Jahrzehnten ihren Abschluss an der Waldorfschule gemacht haben, sind der Einladung nach Marburg gefolgt, um gemeinsam das 70-jährige Bestehen der Freien Waldorfschule Marburg zu feiern.

Den Auftakt des Wochenendes gestalteten die jetzigen Lehrer der Waldorfschule. Sie zeigten sich von ihrer künstlerischen Seite und unterhielten rund 400 Besucher mit dem Theaterstück „Gretchen 89 ff.“ von Lutz Hübner. Das Publikum lachte immer wieder schallend und gab großzügig Szenenapplaus, wenn eine Diva dem Regisseur erklärte, wie er seine Arbeit zu machen habe, wenn ein alter Theaterveteran seinem „Gretchen“ den letzten Nerv raubte, weil er immer wieder weitschweifend aus seinen vielen Erinnerungen berichtete oder wenn eine blutjunge Anfängerin frisch von der Theaterschule sich viel zu viele Gedanken um ihre Darstellung des „Gretchens“ gemacht hat und damit die Regisseurin zur Verzweiflung bringt.
Am Samstagmorgen waren die Ehemaligen zu Gast bei der Monatsfeier der Schule. Die Klassen der Waldorfschule präsentierten mehr als 450 Eltern, Lehrern und Ehemaligen, was sie in den letzten Wochen im Unterricht gemacht haben. Die Kinder zeigten ihre Fremdsprachenkenntnisse in Gedichten und Liedern und ihr Gefühl für die Musik mit Eurythmie. Sie präsentierten Zaubertricks, lustige Tierlieder oder musizierten im Orchester oder ihrem Klassenverband.

Im Anschluss an die Schulfeier und ein gemeinsames Mittagessen waren die Ehemaligen selbst gefragt: Sie nahmen an verschiedenen Workshops zur Eurythmie teil, spielten selbst Theater oder Volleyball, gingen ans Werken oder Musizieren.

Neben den Programmpunkten gab es ausreichend Gelegenheiten, Freundschaften und Erinnerungen aufzufrischen und neue Kontakte zu knüpfen: Beim gemeinsamen Frühstück, beim Abendessen oder bei einem bunten Abend, den die Ehemaligen selbst mitgestalteten, sowie beim Erkunden der Schule. Einen Abschluss fand das Wochenende mit einem kleinen Konzert des Orchesters der Waldorfschule. Mit harmonischen Tönen erfüllten die jungen Musiker der Oberstufe und der Mittelstufe zum Abschied die Festhalle.

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